Von:
Bettine Kuhnert

e-beispiel.de

Wenn Hundepräsident Wuff im Enten-Kurier auf die Mailbox von Kai Quiekmann spricht, bringt uns das zum Lachen. Es ist aber auch zu komisch sich vorzustellen, dass das moralische Vorbild einer Nation Urlaub in Tierpensionen befreundeter Terrier macht oder wegen Privatdarlehen eines Pudelpaars in der Kritik steht. Die Würde des Amtes und das Leben in der Hundehütte sind einfach nicht vereinenbar. Gleichzeitig nimmt die Satire, in der das Mickey Maus-Magazin die Debatte um den deutschen Bundespräsidenten nach Entenhausen verfrachtet, auch die Welt der Medien auf’s Korn.

Auch in Fabeln treten die Tiere als Sinnbild der menschlichen Schwächen auf. Der Löwe, das Lamm, die Maus, sie alle haben einen unveränderlichen, typisierten Charakter. Ihre Entsprechung in der Wirklichkeit sind gesellschaftliche Rollen und Machtpositionen, die das entsprechende Verhalten erfordern, hervorbringen oder begünstigen.

Kunstformen wie Satire und Fabel helfen, Abstand zu gewinnen. Scheinbar Selbstverständliches zeigt in einem verschobenen, überzeichneten Kontext sein wahres Wesen: die Lächerlichkeit der Mächtigen, den Ernst und die Absurdität einer Situation - und eröffnet dadurch Freiheiten. Die Freiheit Dinge anders zu sehen und vielleicht auch anders zu handeln.

Anscheinend brauchen Menschen Beispiele, um die Komplexität der Realität zu vereinfachen und klarer zu sehen, wie die verschiedenen Möglichkeiten sich in ihr zu verhalten zu bewerten sind.

Wenn Jesus in Gleichnissen spricht, von Feldern und Weinbergen, von Saat und Ernte, Hirten und Herden, dann greift er auf die Lebenswelt der Menschen zurück. Manchmal erscheinen uns seine Beispiele -gerade wenn es um menschliche Verhaltensweisen geht- als sehr drastisch, fast schon radikal.

Doch in der kritischen Auseinandersetzung mit diesen Beispielen liegt für einen Christen die Chance, sein eigenes Leben in klarerem Licht zu sehen. Und vielleicht auch die Freiheit zu entdecken, sich gegen gesellschaftliche Konventionen für die Verwirklichung der sozialen Vision nach dem Vorbild Jesu Christi einzusetzen.